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Hara

11. März 2012

Die rechte Haltung des Menschen ist immer bestimmt durch den »rechten Schwerpunkt«. Zu den eingefleischten Fehlhaltungen so vieler Menschen gehört die Verlagerung des Schwerpunkts zu weit nach oben. … In solchen Fehlhaltungen begegnet uns etwas, das keinesfalls »nur körperlich« und deshalb nicht so wichtig ist. Sie sind vielmehr Ausdruck einer personalen Selbstbetonung, Abwehr und Sicherung des Menschen, der sich voll mit seinem kleinen Ich identifiziert und sich daher vor allem selbst wahren, seine »Stellung« halten, seine Position sichern will. Wo diese Fehlhaltung eingefleischt ist, blockiert sie die lösende, erhaltende und erneuernde Kraft aus der Tiefe.      (Karlfried Graf Dürckheim in “der Alltag als Übung”, 1966, S. 40/41)   

Die Gegenform zu dieser Haltung, häufig mit ihr im Wechsel zu sehen, ist das Zusammenfallen oder Zusammensacken des Menschen. Hier ist das Inbild des aufrechten Menschen vertan. In solcher Aufgelöstheit bekundet sich ein Mangel an Gefühl und Verantwortung für die rechte Form, ohne die das Wesen nicht in Erscheinung treten kann.

*

Wer sich der Wesenswidrigkeit und also Heillosigkeit seiner Fehlhaltung voll bewusst wird und, um wesensgemäße Entwicklung und Reifung bemüht, daran geht, mit Stetigkeit den rechten Schwerpunkt zu üben (wozu der ganze Tag Gelegenheit bietet), wird bald eine tiefgreifende Veränderung spüren. Der Japaner hat einen eigenen Begriff für den den Raum der richtigen Mitte des Menschen: Hara.

Das Wort »Hara«, vielen von uns durch den Begriff »Harakiri« vertraut, bedeutet wörtlich »Bauch«. Im übertragenen Sinn jedoch bedeutet Hara diejenige Gesamtverfassung des Menschen, in der er gelöst vom kleinen Ich – befreit von seinem Herrschaftsanspruch und seiner Schmerzscheu, seinem Sicherungswillen und seinem Dünkel – in der rechten Mitte verankert ist. Es ist dies die Mitte, die ihn offenhält für die ihn unbewusst verwandelnden, tragenden, formenden und bergenden Kräfte des Seins und die ihn zugleich befähigt, diese Kraft aus dem Wesen als Leistungs-, Gestaltungs- und Liebeskraft in der Welt zu bewähren.

Diese Botschaft eines der Pioniere der transpersonalen Psychologie in Deutschland, Karlfried Graf Dürckheim, hat meinen persönlichen Weg über Jahre hinweg begleitet: Das Einüben eines zentrierten, mittigen (Körper-)Schwerpunkts als Basis und Ausgangspunkt weltlichen Seins und Handelns.

Ich finde, der Text spricht für sich und möchte ihm daher keine eigenen Ergänzungen hinzufügen.

***

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6 Kommentare leave one →
  1. Gerhard Heck permalink
    11. März 2012 11:58

    Hallo Marianne,

    danke für Deine Texte von Dürckheim, sie lesen sich wie Bibeltexte, da ist wirklich nichts hinzuzufügen.
    Einen angenehmen Sonntag wünscht Dir

    Gerd

  2. 12. März 2012 11:03

    Ups, da muss ich mich doch gleich mal wieder aufrichten und mehr drauf achten… :-)

    Danke für die Erinnerung!

    Dürckheim war einer meiner ersten Lehrer, jedenfalls per Buch…♥

    Liebe Grüße,
    Gabriele

  3. 13. März 2012 20:02

    Reblogged this on Mein Rheumatoid-Arthritis-Code.

  4. 13. März 2012 20:10

    Dem kann ich in mir nachspüren. Herzlichen Dank für diesen Text. Ich habe mir erlaubt, ihn zu “rebloggen”.

    • 15. März 2012 09:31

      Hallo!
      Ja, ich finde auch, dass die “innere Haltung und Ausrichtung” viel mit der körperlichen Haltung zu tun hat.
      Gruß
      Marianne

Trackbacks

  1. Hara – Leseempfehlung « Mein Rheumatoid-Arthritis-Code

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