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Bewegungen

22. Februar 2011

Der einfaltige Grund ist eine einfaltige Stille,

die in sich selbst unbeweglich ist.

Von diesem Unbeweglichen aber werden alle Dinge bewegt.

Meister Eckhart

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… das bewegte und das unbewegte,

verhalten sich zueinander wie

form und leere

sie sind identisch.

du kannst das unbewegte im bewegten und das bewegte im unbewegten erkennen.

Maria-Anne Gallen

 

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Wenn Stabilität verloren geht

19. März 2015

 christchurch_basilica

Im Januar dieses Jahres habe ich die erdbebengeschüttelte Stadt Christchurch – auf der Südinsel Neuseelands – besucht und insgesamt 14 Tage dort verbracht. Vor über vier Jahren gab es dort einen heftigen Erdstoß, mit der Stärke 7,1 auf der Skala, dem zahlreiche Nachbeben (bis heute andauernd) folgten. Eines davon traf am 22. Februar 2011 das Zentrum der Stadt. Es richtete große Zerstörung an und kostete 185 Menschenleben. ???????????????????????????????

Auch wenn die Zahl der Todesopfer im Gegensatz zu anderen Erdbebenregionen auf dieser Welt klein erscheint, erlebe ich die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes erschüttert. Sie berichten: „Zunächst war das Erdbeben in aller Munde, irgendwann beschlossen wir, uns wieder anderen Themen zuzuwenden, jetzt reden wir wieder dauernd darüber.“ Und wirklich: Selten vergeht ein Gespräch ohne Anspielung auf dieses Ereignis. Auf den Straßen der Stadt sind die Erneuerungsarbeiten allgegenwärtig, jeden Tag gibt es neue Umleitungen. In der verwaisten Fußgängerzone spielt ein einsamer Gitarrist schwermütige Weisen – kaum ein Einheimischer verirrt sich noch dorthin.

christchurch_cathedral    christchurch_city

Zerstörte Lebensentwürfe

Bei einer Grillparty erfahre ich Lebensgeschichten, die durch die Beben gezeichnet wurden. Ein Arzt erzählt: „Ohne dieses Ereignis würde ich heute in meiner Freizeit Cello spielen und segeln gehen. Jetzt bin ich nur noch damit beschäftigt, meiner Familie wieder ein vernünftiges Dach über dem Kopf zu verschaffen.“ Sein Grundstück wurde – wie viele andere auch – von den Behörden als „red zone“ gebrandmarkt. Dort darf nie wieder gebaut werden: Der Untergrund ist hier nicht geeignet, einem Haus bei einem erneuten Beben verlässlichen Halt zu geben. Entschädigungszahlungen lassen Jahre auf sich warten. Wenn sie endlich eintreffen, sind die Immobilienpreise schon in unerreichbare Höhen geklettert.

Die Tochter (20) gibt derzeit im Wohnzimmer der Notbehausung Klavierstunden, seinen Sohn (17) erlebt dieser Mann als ziemlich verwildert: „Das Erdbeben hat seine Schule zerstört, er war damals gerade 13 Jahre alt. Die Kinder wurden im Schichtunterricht zu heil gebliebenen Unterrichtsstätten am anderen Ende der Stadt geschickt. An vielen Tagen warteten sie vergeblich am Straßenrand auf den Schulbus – er kam nicht durch die Baustellen. Die Kinder gingen dann spielen und lernten, dass man sich auf schulische Bildung und Erziehung eher nicht verlassen kann.“ Jetzt erweist sich diese Schülergeneration als nicht besonders anpassungswillig und ihr Glaube an feste Gesellschaftsstrukturen hält sich in Grenzen.

Kunst soll heilen

Es sind aber auch andere Stimmen zu hören: „ Das Erdbeben hat uns zusammengeschweißt und unserer Gemeinschaft gut getan. Menschliche Werte wie Hilfsbereitschaft und Solidarität sind jetzt wieder ganz anders bewusst.“ christchurch_flag_wall

Die Künstlergemeinschaft der Stadt startete unzählige Projekte, um den Bürgern Trost, Mut und Hoffnung zu geben. Während wir dort sind, können wir fast an jeder Straßenecke eine bunt bemalte Giraffe entdecken. Unter dem Motto „stand tall“ (stehe aufrecht!) erinnert sie die Menschen daran, dass es auf die innere Haltung ankommt, wenn der äußere Halt ins Wanken gerät. Link: Christchurch stands tall.

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Wenn die Erde nicht mehr trägt

Nur wenige Menschen erleben ein echtes Erdbeben. Im übertragenen Sinne kennen wir aber alle solche Erfahrungen: Plötzlich bricht ein innerer (oder äußerer) Halt weg, auf den wir uns bisher verlassen konnten. Trennungen und Todesfälle entreißen uns haltgebende Menschen, Arbeitsplatzverlust und finanzielle Verluste stellen die eigene Existenzsicherung in Frage, Krankheiten rauben die Lebenskraft. Manchmal kommt sogar alles zusammen.

Psychische Einbrüche, wie plötzlich auftretende Depressionen, Panikattacken oder psychotische Episoden, können eine ähnliche Wirkung erzeugen: Innere Abgründe reißen auf, die nur noch wie ein bodenloses, dunkles Loch erscheinen. Der Volksmund spricht dann oft von jemandem, der „haltlos“ wurde oder seinen „Boden unter den Füßen“ verloren hat.

Das ICH als innerer Halt

Eine ähnliche Erschütterung erleben manche Menschen, denen die Bodenlosigkeit der eigenen Existenz im Zusammenhang mit mystischen Erfahrungen plötzlich bewusst wird. Die „Frohe Botschaft“ der Ich-Losigkeit kann dann auch zum Albtraum werden: Innere Strukturen brechen zusammen, Identitäts-Bezüge gehen verloren, bisher gut abgespaltene Traumas kommen hoch. Die Angst des Egos vor dem eigenen Verlust kann das Bewusstsein überfluten.

Das Ich als Wächter an der Schwelle zum Unterbewusstsein und als realitätsgerechter Vermittler zur Außenwelt, wie Sigmund Freud es in seinem so genannten „Instanzenmodell“ beschrieben hat, scheint diese Funktionen vorübergehend nicht mehr ausüben zu können. Solche Erfahrungen ereilen auch Menschen, denen kein Psychiater vorher eine „Ich-Schwäche“ bescheinigt hätte.

Identifikationen mit Selbst-Bildern spielen dabei eine wichtige Rolle: Wofür halte ich mich? Was erkenne ich als meine Identität. Geht das Selbstbild des gefestigten Ich verloren, wird es oft schnell und unbemerkt durch neue haltgebende Vorstellungen ersetzt, zum Beispiel das Identitätsgefühl eines „Erwachten“ , „Erleuchteten“ oder „Spirituellen Lehrers“.

In die Bodenlosigkeit hinein entspannen

Die Bewohner von Christchurch haben gelernt, mit der Unberechenbarkeit ihres Bodens zu leben. Niemand kann ihnen dauerhafte Stabilität garantieren. Das immer wieder auftretende „Nach-Grummeln“ ist ein ständiges „Memento“. Bei vielen sind tiefe Ängste spürbar und auch der Wunsch, das nächste Mal möge ihre Region verschont bleiben.

Einige von ihnen können allerdings auch entspannt und humorvoll mit der Situation umgehen. Sehr beliebt ist die Nachbebenwette: Wer dem Messwert auf der Richter-Skala am nächsten kommt, hat gewonnen! Der eigene Not-Generator für den nächsten Stromausfall steht vorsorglich im Schuppen und Vorkehrungen für die schnelle Errichtung eines Plumpsklos wurden auch getroffen.

Wenn wir Ja-sagen können zur Bodenlosigkeit der eigenen Existenz, wird das Leben leicht: Moment reiht sich an Moment, Vergänglichkeit und Wandel sind die einzigen Formen, die es gibt. Ängstliches Halt-Suchen ist nicht mehr nötig.

Und vielleicht … finden wir eine aufrechte Lebens-Haltung im nicht-vorhandenen Halt.

giraffe

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Ein religiöses Leben zu führen bedeutet,

eine aufrechte Haltung zu bewahren,

selbst dann, wenn keiner zuschaut.

Kodo Sawaki

 

 

 

 

Therapie, die berührt

30. November 2014
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Körperlich den Sinn fühlen, »the felt sense«

 »Spür’ doch mal nach innen«, ist eine gängige Aufforderung im psychotherapeutischen Setting. Sie lenkt unseren Aufmerksamkeitsfokus direkt in den Körper. »Innen« wird normalerweise innerhalb der wahrgenommenen Körpergrenzen angesiedelt, »außen« ist woanders. Insofern ist das bewusste Erfühlen eigener Befindlichkeiten immer ein körperlicher Vorgang.

Was taucht denn da in der Eigenwahrnehmung auf, wenn wir dieser Einladung folgen? Zunächst drängen sich hier in der Regel die »lauten« und »deutlichen« Ereignisse auf: Starke Gefühle, körperliche Schmerzen und Verspannungen, Gedanken und Selbstgespräche. Ja, auch das Bewusstwerden unserer Denkvorgänge findet im Körper statt!

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Neuer Blog

11. November 2014

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Liebe regelmäßigen und spontanen Besucher und Besucherinnen meines WordPress-Blogs,

die Macher des Connection-Verlags haben mich eingeladen, meine Blog-Einträge auch auf ihrer Website zu posten.

Ich werde nun in der nächsten Zeit einige meiner alten Texte aus diesem Blog-Archiv in überarbeiteter Version dort veröffentlichen.

Wenn ich etwas Neues schreibe, wird es auch weiterhin hier erscheinen.

Wie manche von euch sicher schon mitbekommen haben, geht es mir immer darum, die Themen und Inhalte aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten: Einseitige konzeptuelle Blickwinkel erzeugen festgefahrene Sichtweisen – leicht werden diese mit absoluten Wahrheiten verwechselt. Ich mag das Wechsel-Spiel und die Wandlungs-Möglichkeiten und liebe verschiedene, gerne auch widersprüchliche Meinungen. Dabei sollen vor allem die transpersonalen und buddhistischen Psychologien, die Mystik und postmoderne Erkenntnistheorien zu Wort kommen.

 In diesem Sinne:                          Mein Connection-Blog

RSS-Feed

Mit herzlichem Gruß

Marianne

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Die Freiheit des Perspektiven-Wechsels

30. Oktober 2014

focus of attention

Dieses digitale Bild hat der Künstler „focus of attention“ genannt – Fokus der Aufmerksamkeit. (Bildquelle)

Wir Menschen besitzen die wunderbare Freiheit, unseren Aufmerksamkeitsfokus zu verlagern.

Je nachdem, welchen Blick-Winkel ich einnehme, verändern beobachtendes Ich und Wahrgenommenes ihre Beziehung zueinander. Wenn sie zusammenfallen, wird die Welt der Erscheinungen als Eins (Nicht-Zwei) erfahren.

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Wortlosigkeit

22. Oktober 2014

Herbstblätter

Lange habe ich hier keinen Text mehr geschrieben.

Mir ging es mit meinen eigenen Worten so, wie dem Dichter Rilke in seinem Gedicht – sie machten mir Angst!

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke, (1898) Weiterlesen…

Der Alltag als Achtsamkeits-Übung

25. September 2014
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Veranstaltungshinweis: Seminar-Reihe

(5 eintägige Seminare)

Beginn: Samstag, 11. Okt. 2014

Ort: Achtsamkeits-Schule, Türkenfeld (bei München)

Leitung: Maria-Anne Gallen

Das erste Seminar ist die Auftakt-Veranstaltung zu allen Seminaren der Reihe: „Der Alltag als Achtsamkeits-Übung“. Hier werden die Konzepte und Übungsformen vorgestellt, mit denen wir durchgehend arbeiten werden und ihre Wirkungsweisen erkundet.

Themen sind sowohl die drei Grundvariablen des Focusing: „achtsam – akzeptierend – absichtslos“ wie auch der „r-a-i-n“- Prozess der buddhistischen Psychologie zur achtsamen Wandlung schwieriger Strukturen. Erste Umsetzungs- und Verankerungsmöglichkeiten im persönlichen Alltag werden besprochen und vorbereitet.

Weitere Informationen und Anmeldung hier:

http://achtsamkeits-schule.de/was.html#achtsamkeit

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Die Seminarreihe bietet Anleitung und Unterstützung, eine Achtsamkeitspraxis, wie sie im Focusing und auch in anderen (spirituellen) Lehren eingeübt wird, in alltäglichen Lebenssituationen einzusetzen und zur Gewohnheit werden zu lassen. Anhand von zentralen Lebensthemen können hier Erfahrungen gemacht werden, wie ein achtsames, absichtsloses, nicht-wertendes Umgehen mit sich selbst, zu tiefen Einsichten und innerer Aussöhnung führen kann. Wir arbeiten hier mit angeleiteten Gruppen-Übungen und Meditationen, Selbsterforschungs-Experimenten und einer focusing-orientierten Ritualarbeit.

Alle Termine:

11. Okt. 2014: Der Alltag als Achtsamkeits-Übung - Konzepte und Grundhaltunge

8. Nov. 2014: Mitgefühl/Verletzlichkeit – der achtsame Umgang mit dem „Herz“

28. Feb. 2015: Lebensfreude/Lebensangst – der achtsame Umgang mit dem „inneren Kind“

9. Mai 2015: Selbstachtung/Selbstverurteilung - der achtsame Umgang mit dem „inneren Kritiker“

27. Juni 2015: Befreiung/Gefangenschaft – der achtsame Umgang mit der “Persönlichkeit”

Alle Seminare können auch einzeln gebucht werden – bei Anmeldung für die ganze Reihe wird eine Vergünstigung gewährt.

Dem Stern des Herzens folgen

22. Dezember 2013

Gifs

Aus Deinem Herzen der Stern

an den Himmel gehängt

Könige verstanden das Zeichen

und machten sich auf

hinter ihnen Sicherheit und Zukunft

vor ihnen das Wagnis des Weges

und das Ziel nur geahnt

und nachher spürten sie

ohne Stern sind wir weglos

und er wurde ihnen zum Ziel

 

Eva Maria Leiber

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