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Maria-Anne Gallen: Gedanken, Erfahrungen, Einsichten

Das »Nicht-für-wahr-Nehmen« der »Persönlichkeit«

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Über die Heilung von so genannten »Persönlichkeitsstörungen«

 

Seit einiger Zeit begegnet mir in »esoterischen Kreisen« eine neu entdeckte uralte Heilmethode, die »Ho’oponopono« genannt wird und aus dem hawaiianischen Schamanismus stammt. Neugierig geworden, folgte ich gestern einem Link (SpiritualWiki) und erfuhr dort Folgendes: Ein hawaiianischer Arzt mit Namen Dr. Ihaleakala Hew Len soll  eine komplette Krankenstation mit psychisch auffälligen kriminellen Patienten geheilt haben, ohne sie persönlich getroffen zu haben. Er hatte lediglich deren Krankenakten und kriminelle Biographien studiert und im »stillen Kämmerlein« diese traditionelle Heilmethode praktiziert – mit durchschlagendem Erfolg, wie berichtet wird. Das Klima auf der Krankenstation wurde immer besser, das Personal hatte keine Angst mehr und am Ende konnte die Station geschlossen werden, weil es keine kriminellen Patienten mehr gab.   

Die Methode

In einem Interview dazu, wie er das zustande gebracht habe, antwortete Dr. Len: „Ich habe einfach den Teil in mir geheilt, der sie geschaffen hat“. Es scheint also eine radikale innere Aufarbeitung eigener Projektionen zu sein, die da als Heilmethode angewandt wird.

Über die Langzeiterfolge dieses Heilverfahrens wird hier nichts berichtet. Für mich wäre es schon interessant, ob sich die Rückfallquote dieser Schwerstkriminellen wirklich nach dieser »Behandlung« wesentlich (statistisch signifikant) von anderen Patienten unterscheidet. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um ein Klientel handelt, das anderen Orts als »kaum resozialisierbar« eingestuft wird.

Dennoch ist an dieser »Geschichte« sicher etwas dran. Eine Freundin von mir arbeitet als Psychologin in einer Einrichtung, in der Patienten über drei Jahre hinweg resozialisiert werden, die in den meisten psychiatrischen Einrichtungen aufgegeben wurden. Sie berichtet Ähnliches. Dadurch, dass mit den Leuten in einer Haltung größtmöglicher Achtung ihrer Menschenwürde umgegangen wird, können Entwicklungen stattfinden, die vorher nicht absehbar und vorstellbar waren.

Was wirkt?

Was ist hier wirksam und wie kann das gehen? Dass es hier eine Heilwirkung gibt, habe ich keinen Zweifel. Diese Erzählungen korrespondieren stark mit eigenen Erfahrungen und Überlegungen im Zusammenhang mit den so genannten »Persönlichkeitsstörungen«.

Früher hätte man das Klientel von Dr. Len wohl als »Psychopathen« bezeichnet, heute verwendet man eher die etwas freundlichere Bezeichung »Persönlichkeitsstörung«. Ich fand und finde auch diese Bezeichnung höchst diskriminierend: Was tut man einem Menschen an, dessen Persönlichkeit die Gesellschaft – per Diagnoseschlüssel – als »gestört« definiert? Wie kann er aus dieser »Schublade« je wieder heraus kommen, wenn er da einmal drin ist. Dies nur als diagnostische Randbemerkung.

Die »Persönlichkeit«, die wir alle haben (aber nicht sind!), definiere ich als strukturelles Phänomen, das durch verschiedeneste Prägungen im zeitlichen Verlauf einer menschlichen Existenz entsteht. Ich unterscheide sie von unseren Wesens-Merkmalen oder Temperaments-Eigenschaften, die ich für angeboren und genetisch determiniert halte. Soviel zur Begriffsdefinition. »Heilung« definiere ich im psychotherapeutischen Kontext als Linderung  von subjektiv erlebtem Leid.

Persönlichkeit als theoretisches Konzept

Die Persönlichkeit, ebenso wie ihre angebliche »Störung« ist also erstmal ein Konzept, eine begriffliche »Brille«, durch die ich meine Außenwelt, vielleicht auch mich selbst betrachte und wahrnehme. Das radikale »Abnehmen« von solchen Brillen lässt auch die Phänomene verschwinden. Das wissen nicht nur hawaiianische Stammes-Schamanen, sondern auch konstruktivistisch und systemtheoretisch denkende  Menschen des postmodernen Zeitalters.

Dass man dieses Wissen auch in eine praktische Heil-Methode umsetzen kann, ahne ich selbst schon lange und übe das auch aus, zum Beispiel als die Kunst des Nicht-»für-wahr«-Nehmens der »Persönlichkeit«. Es ist mir allerdings noch nie wirklich gelungen, es so zu formulieren, dass andere verstanden haben, was ich da tue! Ho’oponopon0 macht mir Mut, das wieder einmal neu zu versuchen.

Strukturen wahrnehmen, aber nicht für wahr halten

Strukturelle Phänomene gibt es überall. Die »explizite Form«, in der uns Dinge in der Außenwelt erscheinen sind die Objekte unserer Wahrnehmung. Wenn ich sage, ich sehe einen »Baum«, dann kann ich mich in der Regel mit einem anderen Menschen neben mir, der über intakte Sinnesorgane verfügt, schnell über diese Wahrnehmung einig werden. Beim »Baum« gehe ich sogar davon aus – obwohl ich das über meine Sinnesorgane nicht endgültig entscheiden kann – dass das mehr als nur eine selbst-konstruierte Konsensus-Realität ist.

Wenn ich mit einem Psychotherapeuten über einen psychisch auffälligen Patienten spreche, (was ich im meinem Berufs-Alltag vermeide, wo ich nur kann ..), dann scheint unsere Einigkeit darüber, dass wir es mit einer »Persönlichkeitsstörung«, z.B. einer sog. »emotional instabilen Persönlichkeit vom Borderline-Typus«, zu tun haben, eine ähnliche Evidenz und Augenscheinlichkeit zu haben. Dabei verwenden wir nur das selbe theoretische Konstrukt!

Schon scheint die Persönlichkeit und ihre »Störung« zu einer wahrnehmbaren Wirklichkeit zu werden. Die Konsensus-Realität meines Beispiels ist in einem Diagnoseschlüssel (ICD 10) so beschrieben: »Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und innere Präferenzen (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden … «

Dieses »Persönlichkeitsmuster« erkennt man als Diagnostiker sehr schnell daran, dass man es in der so genannten »Gegenübertragung«, der eigenen inneren Persönlichkeits-Resonanz, möglichst schnell verlassen möchte.

Psychische Strukturen erzeugen Wiederholungen

Es handelt sich hier offensichtlich um ein Persönlichkeits-Phänomen, dass sich maßgeblich in zwischenmenschlichen Beziehungen bemerkbar macht. Menschen mit diesem Muster (dieser Struktur), verhalten sich – im unbewussten Zustand – so, dass sie ihr eigenes Verlassen-Werden erzeugen. Damit wird der eigene Leid-Kreislauf aufrecht erhalten.

»Heilarbeit« bedeutet zunächst einmal ein Aussteigen aus solchen Kreisläufen, damit neue Entwicklungen stattfinden können, die durch das Gebunden-Sein an die Struktur blockiert waren. Nach Dr. Len ist das – auf der Seite des Heilers – ein Heilen des Anteils in mir, der die Störung erschaffen hat.

Hoppla, verkehrte Welt! Der Patient kommt doch mit seiner Störung in meine Praxis, wie kann ich sie da erschaffen haben? Betrachten wir, was im gegenwärtigen Moment geschieht: Das Beziehungsmuster meines Patienten und meine innere Resonanz auf die Beziehungssituation korrespondieren unmittelbar miteinander. Das geht sogar so weit, dass mir in solchen Begegnungen – wenn ich nicht super-achtsam bin – menschliche Fehler unterlaufen: Ich komme zu spät zu Therapiestunden, verpasse vielleicht sogar Termine usw. (So etwas passiert mir sonst eigentlich nie.)

Der Ausstieg aus solchen Mustern – die Heilung

Wenn ich nun alle meine Bewusstheits- und Herzens-Kräfte mobilisiere,  im gegenwärtigen Moment in solche Muster nicht hinein gezogen zu werden, dann schaffe ich eine neue Wirk-lichkeit. Ich behandle die so genannte Persönlichkeit dann als illusionäre Erscheinung. Die Gegen-Reaktionen, die aus meiner Persönlichkeitsstruktur kommen, behandle ich genau so: Ich halte sie nicht für wahr und agiere sie daher bewusst nicht aus. Die geprägten Systemeigenschaften verlieren so ihre (leiderzeugende) Wirkung. Ein Buddhist würde hier vermutlich sagen, dass früheres Karma an dieser Stelle für die Zukunft unwirksam wird. Umkehr und Heilung geschehen immer in der Gegenwart.

Auf diese Weise können therapeutische Settings Beziehungsräume entfalten, in denen Entwicklung und Wachstum möglich wird. Dass sich das bei entsprechender Schulung, großer Herzenswärme und mentaler Konzentration auch auf eine ganze Krankenstation bzw. eine Gefängnisabteilung auswirken kann, halte ich für möglich.

Für einen überdauernden Heilungserfolg braucht es aber immer auch die eigene Bewusstheit desjenigen, der sich aus einem Leid befreien will. Jeder von uns ist für sein eigenes »Karma« zuständig. Niemand von uns kann das dauerhaft für einen anderen tun. Als Ausübende einer Heilkunst machen wir es letztendlich für uns selbst. Wenn es gelingt, dann erleben wir jedoch, dass unser inneres Heil-Werden sich im (vermeintlich) Äußeren widerspiegelt.

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