Was mich bewegt …

Maria-Anne Gallen: Gedanken, Erfahrungen, Einsichten

Über das EGO …

4 Kommentare

Das EGO ist eine reine Fiktion – es existiert nur im Auge eines Betrachters.

Im zwischenmenschlichen Umgang zeigt es sich durch Schatten-Spiele und Schatten-Boxen. 

Dieser vermeintliche Schatten kann unser bester Lehrmeister werden.

Egal, ob ich ihn bei mir selbst oder beim anderen zu erkennen glaube, er spiegelt mir meine Illusion.

Das, was ich hier wahrzunehmen und zu bekämpfen meine, ist immer ein  NICHT-Ich (eine Identifikation mit einem eigenen Bewusstseins-Inhalt). 

Der vermeintliche Gegner

In Psycho-Kreisen hieß es früher immer, dass das, was ich im anderen bekämpfen muss und was mich an ihm stört, ein Anteil ist, den ich bei mir selbst nicht wahrhaben will. Als therapeutische Empfehlung wurde daraus abgeleitet: Wenn du das selbst leben würdest, könntest du aufhören, andere in dieser Hinsicht verändern zu wollen.

So platt sehe ich das heute nicht mehr. Ich würde es eher so formulieren: Das, was mich am anderen stört, hat mit einem Thema zu tun, mit dem ich noch nicht in Frieden bin. An dieser Stelle muss ich noch polarisieren, zwischen Ich und Nicht-Ich, zwischen Licht und Schatten. Irgendwelche Gegensätze sind hier innerlich nicht ausgesöhnt.

Die Funktion des Schattens

Wenn ich den Schatten im vermeintlichen Außen bekämpfe, dann dient das der Aufrechterhaltung eines inneren Gleichgewichts – einer Homöostase. Es wertet mich auf, wenn das „Schlechte“ außen erkannt wird. Ich kann mich gut fühlen, wenn ich andere als „böse“ entlarve und ihre Fehler ahnde. Ein gesundes Selbstwertgefühl kann auf solche Polarisierungen verzichten.

Des-Illusionierung

Befriedung von Unversöhnlichkeiten im eigenen Bewusstsein ist gleichzeitig ein Vorgang der Des-Illusionierung. Bewertungen und Unterscheidungen, die vorher unbewusst Regie geführt haben, verlieren ihre Wirkmacht.

„Des­illusionierung gehört zu einem wichti­gen Teil des spirituellen Weges. Es ist ein feu­riges Tor, einer der besten und rein­sten Lehrer des Erwachens, der Un­abhängigkeit und des Loslassens, denen wir je­mals begegnen wer­den. …

Diese Herausforderung der Desillusionierung liegt darin, dass wir die Au­gen offen hal­ten und dabei dennoch mit dem großen Herzen des Mit­gefühls in Verbindung bleiben.“  (Jack Kornfield in “Frag den Buddha und geh’ den Weg des Her­zens”, 1995, S.321)

Den letzten Satz meines sehr verehrten buddhistischen Lehrers finde ich besonders bemerkenswert: Er weist uns darauf hin, dass jede Des-Illusionierung in unserem Herzen eine Verbindung schafft – die Verbindung mit allen mitfühlenden Wesen auf dieser Erde. Es scheint mir eine Rück-Bindung („religio“) zu sein an etwas, was schon immer in uns war – ein umfassendes, unzerstörtes Heil-Sein.

***

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4 Kommentare zu “Über das EGO …

  1. Die Fiktion des Egos ist eine Fiktion des Egos. Das Ego ist real. Wäre es irreal, wäre seine Fiktionalität gegenstandslos. Nur weil dies nicht so ist, vermag das Ego der Gegenstand seiner Schatten zu sein. Desillusionierung ist die Schatten als Schatten als auch den Schattenwerfenden als Schattenwerfenden zu bemerken. Geschieht dies, wandelt sich das Selbst. Seine gründliche Umstrukturierung hebt das egomanische Zentrum auf. DasEgo bleibt als Funktion, wirkt aber nicht mehr als Zentrum der Person. – Weiterung tritt anstelle von Enge.

    Servus Matthias

    • Das Ego bleibt als Funktion, wirkt aber nicht mehr als Zentrum der Person.

      Hallo Matthias,

      ich definiere den Begriff „Ego“ nicht als Funktion, sondern als Identifikation mit (Erlebens-) Inhalten. Etwas, das durch Identifikation entsteht, kann immer auch de-konstruiert werden, würde ich sagen. Insofern würde ich es nicht als „real“ bezeichnen.

      Wie definierts Du den Begriff „Ego“?

      Desillusionierung ist die Schatten als Schatten als auch den Schattenwerfenden als Schattenwerfenden zu bemerken.

      Ja, das sehe ich genau so. Oder anders ausgedrückt: Erkennen, wie wir selbst unsere Dualitäten konstruieren …

      Servus
      Marianne

  2. Ich halte es gerne mit zwei Aspekten vom Ego. Der eine ist die Wahrnehmung des Egos als koordinierenden Faktor zu seiner Umwelt: Ich bin hier und da ist die Welt. Ich ordne meine Welt, um mich in sie einzuordnen. Es ist das Bewusstsein von sich und der Welt. Dies ist die Enge; denn das Ego ist der Punkt seines Hierseins ummantelt von seiner Welt. – Es mag das identifizierende Ego in dem von Dir gemeinten Sinne sein.

    Beim anderen Aspekt sehe ich das Ego als interaktiven Knotenpunkt, der auf Leib und Seele eines Menschen einwirkenden Geschehnisse in seiner Um- und Mitwelt, die nicht von einem auf sich selbst bezogenen Zentrum, sondern durch ein nicht ichbezogenes Verständnis von Dasein reflektiert werden. Hier ist Weite, denn das Ego ist ein emergenter Raum unter vielen vernetzten Räumen. – Dies mag die Eigenschaft des Egos in einem gewandelten Selbst sein.

    Was die Schatten angeht, sollte man auch das Licht der Wirklichkeit nicht vergessen, dass den Schattenwurf erst ermöglicht.

    Lieben Gruß
    Matthias

    • Danke!

      Ja, das ist schön formuliert …

      Ich glaube, ich würde das (in meiner Konzeptbildung) eher eine gewandelte Ich-Organisation nennen …

      Andererseits: Mit deiner Begrifflichkeit muss das Ego nicht verschwinden, seine Wandlungsfähigkeit wird betont. Das hat etwas!

      Herzliche Grüße
      Marianne

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