Was mich bewegt …

Maria-Anne Gallen: Gedanken, Erfahrungen, Einsichten

unverstelltes Wahr-Nehmen

4 Kommentare

Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.

Matsuo Basho

***

Bei Wikipedia ist unter dem Stichwort »Haiku« folgendes zu lesen: »Die japanische Dichtung hat als Samen das menschliche Herz, und ihr entsprießen unzählige Blätter von Wörtern. Viele Dinge ergreifen die Menschen in diesem Leben: sie versuchen dann, ihre Gefühle durch Bilder auszudrücken, die sie dem entnehmen, was sie sehen und hören.«                    

Unmittelbarkeit

Diese Form der Dichtung ist unmittelbar: Sie drückt in einfachen Worten genau das aus, was unsere Sinne uns im jetzigen Augenblick vermitteln. Ein solcher Ausdruck ist klar, eindrücklich und unverstellt. Wir halten inne und lauschen den Worten. Zustimmung.

Wahr-Nehmung

Es erscheint uns »wahr«, was so eindrücklich vermittelt wird, berührt direkt das Herz. Ein Moment, indem unser Erkennen die »ewige Weisheit« berührt. Und dennoch: Sobald wir nach der »Wahrheit« greifen und unsere Wahr-Nehmung festschreiben wollen, versinken wir in die Illusion.

Gegenwärtigkeit

Jede Meditations- und Achtsamkeits-Anleitung dient dazu, unsere Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment zu zentrieren. Reines Zeugenbewusstsein ist eine Präsenz, die die Inhalte und Objekte unseres Wahrnehmens nicht festhält. Vergangenes ist vergangen, die Zukunft immer offen …

Erleben im Wandel

Erlebens-Inhalte sind in der unverstellten Wahrnehmung gleichbedeutend im Fluss des Lebens – sie kommen und gehen, befinden sich in ständiger Wandlung.

Wach-Sein

Unverstelltes Wahr-Nehmen ist Wach-Sein.

***

P.S. Aus dieser Sicht gibt es kein »Er-Wachen» und schon gar keine »Erwachten«.

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4 Kommentare zu “unverstelltes Wahr-Nehmen

  1. Liebe Marianne,

    Dein Postskriptum beschwingt Wahres. Davor eine dem Haiku typische Skizze der Rezeption. Dankeschön.

    Deine von Wikipedia übernommene Übertragung von Bashos Haiku, löst sich vom 5/7/5 Silbenrhythmus. Ich schätze jedoch am Haiku die formale Strenge. Sie gibt einen Rahmen vor, in dem dennoch Freiheit entsteht. Dieser Form und Deinen Gedanken folgend möchte ich Dir meine Abwandlung zu Bashos Haiku hinzufügen:

    Unbewegt der Teich
    Vor Plätschern und Wellenschlag
    Ein Frosch springt hinein.

    Lieben Gruß
    Matthias

    • „Der alte Weiher:
      Ein Frosch springt hinein.
      Oh! Das Geräusch des Wassers.“
      Matsuo Basho

      „Unmittelbarkeit
      Diese Form der Dichtung ist unmittelbar: Sie drückt in einfachen Worten genau das aus, was unsere Sinne uns im jetzigen Augenblick vermitteln. Ein solcher Ausdruck ist klar, eindrücklich und unverstellt. Wir halten inne und lauschen den Worten. Zustimmung.“

      JA sagt der stille Beobachter
      ————————————–

      „Unbewegt der Teich
      Vor Plätschern und Wellenschlag
      Ein Frosch springt hinein.“
      Matthias Mala

      Unmittelbarkeit und Vorgestelltes
      Diese Form der Dichtung ist unmittelbar, was die erste und dritte Zeile angeht: Sie drückt in einfachen Worten genau das aus, was unsere Sinne uns im jetzigen Augenblick vermitteln. Ein solcher Ausdruck ist klar, eindrücklich und unverstellt. Wir halten inne und lauschen den Worten. Zustimmung.
      Die zweite Zeile jedoch beschreibt nicht was ist, sondern ist meinen, denken, spekulieren; eine Erwartung. Gleich, einen Moment später wird eine jetzt noch nicht vorhandene Bewegung, Plätschern und Wellenschlag erscheinen. Durch einen vorgestellten Frosch verursacht?

      Hmm…-denkt der stille Beobachter
      ———————————————

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